Maßgefertigter großformatiger Terrazzo im Interior Design: Private Residence in Vyshenky
Wie wir individuelle großformatige Steinplatten für ein Privathaus entwickelten und dabei Naturstein, Interior Design und Kosteneffizienz kombinierten. Das Material kam am Kamin, in der Küche, bei Möbeln und im Bad zum Einsatz.

Ein gelungenes Interior Design entsteht nicht dadurch, dass überall die teuersten Materialien eingesetzt werden. Entscheidend ist vielmehr zu verstehen, an welchen Stellen ein hochwertiges Material die Wahrnehmung eines Raumes tatsächlich prägt und wo eine individuell entwickelte Lösung denselben architektonischen Effekt erzielen kann, ohne das Gesamtbudget unnötig zu erhöhen.
Genau vor dieser Aufgabe standen wir bei der Planung der Private Residence in Vyshenky — einem modernen Einfamilienhaus, das als kommerzielles Immobilienprojekt zum Verkauf entwickelt wurde.
Ziel des Interior-Design-Konzepts war es, ein hochwertiges, solides und architektonisch klares Wohninterieur zu schaffen und gleichzeitig die Baukosten rational zu kontrollieren.
Naturstein sollte dabei eine wichtige Rolle spielen. Eine großflächige Verwendung von Naturmarmor hätte das Budget jedoch erheblich erhöht.
Anstatt den Marmor einfach durch eine konventionelle Imitation zu ersetzen, entschieden wir uns für ein Experiment: Wir entwickelten unsere eigenen großformatigen mineralischen Platten.
Warum wir nach einer Alternative zu Naturmarmor suchten
Naturstein besitzt im Innenraum eine besondere Wirkung.
Sein Gewicht, seine kühle Haptik, die Tiefe seiner Struktur und seine natürliche Unregelmäßigkeit vermitteln eine Beständigkeit, die mit rein dekorativen Oberflächen nur schwer zu erreichen ist.
Die tatsächlichen Kosten von Marmor bestehen jedoch nicht nur aus dem Materialpreis. Transport, Zuschnitt großformatiger Platten, Kantenbearbeitung, Montage und die Anpassung an maßgefertigte Möbel und architektonische Details müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Für ein kommerziell entwickeltes Wohnhaus wäre eine umfangreiche Verwendung von Marmor wirtschaftlich nicht sinnvoll gewesen.
Gleichzeitig wollten wir auf die Wirkung eines echten mineralischen Materials nicht verzichten.
Wir suchten eine massive, kühle und taktile Oberfläche mit unregelmäßiger Struktur und ausreichender visueller Tiefe, um sie als wiederkehrendes Element im gesamten Interior Design einzusetzen.
Von 300 × 300 mm Terrazzo-Fliesen zu 1000 × 2000 mm Platten
Wir fanden einen Hersteller, der sich auf Fliesen in Terrazzo-Technik spezialisiert hatte.
Das damals größte Standardformat des Unternehmens betrug etwa 300 × 300 mm. Für unseren Entwurf war dieses Format deutlich zu klein.
Für die Kaminverkleidung, Küchenarbeitsplatten und individuell entworfene Möbel benötigten wir wesentlich größere, zusammenhängende Flächen.
Unser Ziel war eine Platte von ungefähr 1000 × 2000 mm.
Gemeinsam mit dem Hersteller entschieden wir, die bestehende Technologie zu testen und auf ein völlig neues Format zu übertragen.
Dabei ging es nicht einfach darum, eine vorhandene Fliese größer herzustellen. Das neue Format stellte zusätzliche Anforderungen an Materialmischung, Formbau, Stabilität, Aushärtung und spätere Oberflächenbearbeitung.
Entwicklung eines individuellen Materials
Als Basis der Platten verwendeten wir einen speziellen italienischen Zement.
Dieser wurde mit gebrochenem Naturstein aus den Karpaten kombiniert.
Der Einsatz von echtem Naturstein war für uns entscheidend. Unser Ziel war keine gedruckte oder künstliche Marmorimitation, sondern ein neues Material mit einer authentischen mineralischen Struktur.
Steinfragmente unterschiedlicher Größe wurden in die Zementmischung eingebracht. Dadurch entstand eine unregelmäßige Struktur, die sich weder vollständig kontrollieren noch identisch reproduzieren ließ.
Die fertige Mischung wurde anschließend in speziell vorbereitete großformatige Formen gegossen und ausgehärtet.
So entwickelte jede Platte ihre eigene Zeichnung.
Schleifen und Polieren der Oberfläche
Nach dem Aushärten wurden die Platten mechanisch bearbeitet.
Die obere Zementschicht wurde schrittweise abgeschliffen, bis die im Inneren liegenden Natursteinfragmente sichtbar wurden.
Anschließend wurde die Oberfläche nahezu vollständig glatt poliert.
Dieser Bearbeitungsschritt veränderte die Wahrnehmung des Materials grundlegend.
Aus einem zementgebundenen Verbundmaterial entstand optisch und haptisch eine Oberfläche, die wie massiver Naturstein wirkte.
Die unterschiedlichen Korngrößen, Farben und mineralischen Einschlüsse erzeugten eine Tiefe, die mit einer einfachen keramischen Imitation nur schwer zu erreichen wäre.
Rund dreimal günstiger als Naturmarmor
Das Experiment erfüllte auch eines der wichtigsten wirtschaftlichen Ziele des Projekts.
Die fertige Sonderanfertigung war ungefähr dreimal günstiger als die ursprünglich in Betracht gezogene Lösung aus Naturmarmor.
Trotz der erheblichen Kosteneinsparung konnten wir die Eigenschaften erhalten, die für das Interior Design entscheidend waren: Großformatigkeit, echte mineralische Bestandteile, eine polierte Oberfläche, visuelle Tiefe und die Möglichkeit, individuelle architektonische Elemente und Möbel anzufertigen.
Genau darin besteht für uns eine sinnvolle Budgetoptimierung bei einer Innenarchitekturplanung.
Es geht nicht darum, hochwertige Materialien wahllos durch billigere Alternativen zu ersetzen. Entscheidend ist zu verstehen, welche Eigenschaften den gewünschten architektonischen Eindruck erzeugen und wie sich dieser möglichst intelligent realisieren lässt.
Der Kamin als architektonischer Mittelpunkt
Eine der wichtigsten Anwendungen des eigens entwickelten Materials war die Kaminverkleidung im Wohnbereich.
Gerade hier war das große Plattenformat entscheidend.
Kleine Fliesen hätten zahlreiche Fugen erzeugt und den Baukörper optisch fragmentiert. Die großformatigen Platten ermöglichten dagegen eine nahezu monolithische Wirkung.
Die graue mineralische Oberfläche mit hellen und dunklen Steineinschlüssen bildet einen Kontrast zu warmem Holz, neutralen Textilien und den großen Fensterflächen.
Der Kamin wirkt dadurch nicht wie ein nachträglich hinzugefügtes Dekorationselement, sondern wie ein Bestandteil der Architektur.
Maßgefertigte Steinoberflächen in der Küche
Das gleiche Material wurde in der Küche für Arbeitsplatten und die Rückwand eingesetzt.
Die Wiederholung eines Materials in verschiedenen Bereichen ist ein wichtiges Instrument, um ein zusammenhängendes Interior Design zu entwickeln.
Statt für jede Funktion ein neues Finish einzuführen, arbeiteten wir mit einer kontrollierten Materialpalette und ließen dieselben Oberflächen in unterschiedlichen Formen im Haus wiederkehren.
In der Küche bildet die mineralische Struktur einen bewussten Kontrast zu den warmen Holzfronten und den zurückhaltenden monochromen Elementen.
Ein individuell entworfener Esstisch
Aus dem Material entstand außerdem eine maßgefertigte Tischplatte für den Essbereich.
Anstatt ein fertiges Möbelstück auszuwählen, übertrugen wir ein Material aus der Architektur direkt auf das Möbeldesign.
Die massive Platte verleiht dem Tisch eine starke physische Präsenz, während die übrigen Elemente der Konstruktion optisch leichter bleiben.
Auf diese Weise verbindet das Material Architektur und Möbeldesign zu einer gemeinsamen gestalterischen Sprache.
Ein monolithisches Waschbecken
Eine der skulpturalsten Anwendungen befindet sich im Gäste-WC im Erdgeschoss.
Hier ist das Material nicht mehr lediglich eine Verkleidung. Es wird selbst zum Objekt.
Das freistehende Waschbecken wurde als kompakter monolithischer Körper gestaltet und vermittelt den Eindruck, aus einem massiven Steinblock gefertigt zu sein.
Schwarze Armaturen setzen einen grafischen Kontrast zur grauen mineralischen Oberfläche.
Gerade in einem kleinen Raum kann ein einziges starkes, individuell entwickeltes Element eine größere Wirkung erzeugen als zahlreiche dekorative Details.
Eine durchgängige Materialwelt im gesamten Haus
Das Material wurde auch im Eingangsbereich eingesetzt. Dadurch wird die grundlegende Materialpalette bereits beim Betreten des Hauses sichtbar.
Graue mineralische Oberflächen, natürliches Holz und dunkle Metallakzente ziehen sich anschließend durch Küche, Wohnräume und Bäder.
Für Teile der Badezimmerwände wählten wir zusätzlich keramische Fliesen mit einer verwandten mineralischen Charakteristik.
Die Fliesen sollten das individuell entwickelte Material nicht exakt imitieren. Stattdessen ergänzen sie dessen Farbigkeit, Textur und visuelle Dichte.
So konnten die Sonderanfertigungen als Akzente wirken, während wirtschaftlichere Serienmaterialien den Hintergrund bilden.
Interior Design bedeutet nicht, das Budget zu maximieren
Die Private Residence in Vyshenky zeigt einen wichtigen Grundsatz unserer Arbeit.
Hochwertiges Interior Design bedeutet nicht, auf jeder Oberfläche das teuerste verfügbare Material einzusetzen.
Ein gutes Interior-Design-Projekt erfordert vielmehr die Fähigkeit zu erkennen, an welchen Stellen eine Investition die räumliche Qualität tatsächlich verbessert und wo eine intelligent entwickelte technische Lösung zum besseren Verhältnis zwischen Kosten und Wirkung führt.
In diesem Projekt hätten wir großflächig Naturmarmor einsetzen können.
Stattdessen investierten wir Zeit in die Entwicklung eines eigenen Materials, das den gewünschten architektonischen Charakter bewahrte, die Kosten deutlich reduzierte und gleichzeitig mehrere einzigartige, speziell für dieses Haus entworfene Elemente ermöglichte.
Eine professionelle Innenarchitekturplanung besteht daher nicht nur aus Visualisierungen. Sie umfasst Materialien, Konstruktionen, maßgefertigte Möbel, die Zusammenarbeit mit Herstellern, technische Details, Budgetentscheidungen und die Begleitung der Realisierung.
Manchmal beginnen die interessantesten Lösungen im Interior Design mit einer einfachen Frage: Müssen wir etwas auswählen, das bereits existiert — oder können wir für dieses Projekt eine bessere Lösung entwickeln?








